Jugend und Alter

Nürnberg 22:17 – die ganze Astrologie beinhaltet eine zentrale Botschaft „sine qua non“ – ohne welche nicht, und man muss kein Antroposoph sein, um es als zentrales Verdienst Rudolf Steiners zu erkennen, dass er uns und der Welt die Tür zu diesem Zauberturmzimmer wieder gezeigt hat. Den Schlüssel, den die Pharisäer weggeworfen hatten, der zum Himmelreich führt: er hat ihn geborgen. Man darf das nicht unterschätzen, und ich wüßte zu gern, wo und wie Steiner selbst Rebell gewesen wäre, sähe er heute seine von ihm selbst geschaffene Bewegung. Denn natürlich irrte er. Doch der Respekt vor seiner Leistung ist – mit Recht vielleicht – zu groß, als dass man bereit wäre, zuzugeben, wo, an welchem Punkt, und warum? Ich glaube, er ist so früh gestorben (am 30. März 1925), weil er die nachfolgende Entwicklung von Herzen nicht verkraftet hätte. Beim Lesen seiner letzten Vorträge findet man auch eine geheime Signatur – insbesondere um den Brand des ersten, wunderschönen Goetheanums herum – die auf der Spur des Skarabäus schicksalhaft getränkt ist. Man kann da Zeichen lesen. Hinter vorgehaltener Hand will ich auch gestehen: Rudolf Steiner ist der Gegenentwurf zu Adolf Hitler, dessen Wachsfigur, welch Heldentat, irgendjemand den Kopf abgerissen hat. Jedwede Parallele zu zeitgeistigem Wahnsinn á la … sei hier ausdrücklich unterdrückt. Darum ist er so aktuell. Hitler war Stier, Aszendet Waage, Steiner Fische, Aszendent Skorpion.

Foto Markus Termin

Worauf ich hinauswill: die sogenannte Wiedergeburt, Reinkarnation ist genau das, was Steiner uns nahegebracht hat. Sicher war das vorher schon bekannt, doch was Rudolf Steiner gemacht hat, war, daraus ein seriöses Konzept zu machen. Zu erklären, dass es einen „Volksschulweg“ der Reinkarnation gibt, dass sie im Westen zuhause ist, und niemand nach Madras reisen muß, um seiner Wiedergeburt ins Auge zu fassen. Ich gehöre im Übrigen nicht zu denen, die an jeder Ecke einer Wiedergeburt begegnen. Doch wenn man in Astrologie „getunkt“ ist, eröffnet sich langsam, aber sicher diese Idee: das Geburtshorokop ist die karmische Eintrittskarte in diese Welt. Sie zeigt, inwiefern Karma und auf welche Weise umgesetzt werden muß/kann, um den Weg auf der Reise als kosmischer Krieger/in erfolgreich zu gehen. Das Horoskop ist in Wahrheit nur verständlich als ein dazwischen. Es liegt zwischen Leben und Leben. Verständlich wird das nur dann, wenn man sich überlegt: der Säugling ist greisenhaft, der Greis wiederum ein Kind. Das ist sehr schwer zu verstehen, und doch ist es wahr. Der Jugendliche lebt noch fast vollständig in der Vorstellungswelt seiner letzten karmischen Existenz. Erst in der Mitte des Lebens lösen wir uns davon, und zwar mit dem zweiten Mondkonten, um genau zu sein. Um ein Bewußtsein davon zu bekommen, bedarf es der zweiten Saturn-Opposition. So ist Weisheit vor allem dies: darum zu wissen. Wenn Desmond Decker „Israelites“ singt, und Steiner uns das erklärt (Johannes-Evangelium), dann begreifen wir plötzlich, wie das Land, um das es geht, in der Mitte des Bewußtseins steht, unabhängig von Zeit und Raum, und dass wir hier ansetzen können, um endlich die Bomben zu beseitigen. Alle Gewalt und alle Bomben sind nur ein Protest gegen die Sterblichkeit, vorgebracht von traurigen, dummen Unsterblichen. Will Smith und alle Superhelden von Hollywood predigen dieselbe erleuchtete Botschaft.

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